Frohes Neues Jahr 2026

Liebe Freunde!

Mit einiger Verspätung blicke ich nun auf ein 2025 zurück, das in mehreren Punkten besonders entscheidend war, mit markanten Einschnitten.

Es begann damit, dass im Februar Dominiques Mutter verstarb und der Vater mit seinen inzwischen 104 Jahren allein im Pflegeheim zurückblieb. Bei all den emotionalen und organisatorischen Veränderungen, die das mit sich brachte, erforderte es vor allem eine verstärkte Betreuung, und die Sorge um seinen gesundheitlichen Zustand wurde nochmal größer. Dabei zog sich die Frage über den ganzen Rest des Jahres, ob man in dieser Situation bei dem großen Ereignis zum Jahresende dabei sein könnte oder ihn nicht allein lassen dürfte. Aber dazu später mehr.

Der nächste größere Einschnitt erfolgte schon bald danach: Am 11. April schied ich, zusammen mit Andrina, nach bewegenden Abschiedsfeiern als Geschäftsführer von Fokus Stuttgart aus, der Sprachenschule, die wir vor 26 Jahren gemeinsam gegründet und bis dahin erfolgreich geleitet hatten. Was kam danach? Würde ich es verkraften, nicht mehr ständig irgendetwas bestimmen, organisieren und tun zu müssen, an meinem gewohnten Schreibtisch zu sitzen und anderen Menschen Fragen zu beantworten? Ich hatte es mir schlimmer vorgestellt!
Von Ruhestand kann keine Rede zu sein, aber die Verantwortung los zu sein für das tägliche Kleinklein und auch für die strategische Gestaltung in einem immer enger werdenden Rahmen, das fühlt sich schon wie eine Befreiung an. Nun beobachte ich recht entspannt die weiteren Abläufe in meinem ehemaligen „Zuhause“, höre die Sorgen, beantworte Fragen und treffe mich mit Menschen, die mir immer noch viel bedeuten, zum Wandern, zum Reden oder zum Ausgehen.

Gleichzeitig ergaben sich seit Jahresanfang viele neue Perspektiven. Meine Arbeit als Qualifizierer für die telc-Prüfungen hat sich deutlich intensiviert, außerdem durfte ich für den Hueber-Verlag schreiben, für die Uni Mainz online unterrichten, interessante Privatkunden betreuen und auch beratend tätig werden. Die vielen Kontakte, die sich in den letzten Jahrzehnten aufgebaut haben, tragen nun erst recht ihre Früchte, und ich habe neue Gestaltungsräume, zu denen ich vorher nicht gekommen wäre. Solange die Gesundheit es mitmacht, ist alles schön.
Um meinen Körper und auch meinen Geist fit zu halten, habe ich meine Fahrradtouren, zumindest in der schönen Jahreszeit, intensiviert. Noch ganz ohne elektrische Unterstützung folge ich den Flüssen unseres schönen Landes abwärts, um dann in eine Bahn einzusteigen, die mich zurück auf die Degerlocher Höhen bringt. Nicht nur die Freude am Fahren, sondern auch die interessanten Begegnungen unterwegs bereichern mich sehr.

Dominique hat noch einige Jahre zu tun, bevor wir unseren Ruhestand gemeinsam genießen können. Nach wie vor fordert die Schule ihr viel Zeit und Energie ab, und man hat das Gefühl, es wird jedes Jahr mehr. Kein Wunder, dass sie ihren Geburtstag nicht groß feiern mochte, sondern lieber mit mir „abtauchte“ in Richtung Bodensee, wo wir ein sehr schönes, ruhiges Wochenende verbrachten. Ansonsten blieb es während der Sommerferien bei den schon für uns üblichen Tagestouren in die nähere Umgebung. Einzig im Juli legten wir einige Kilometer zurück, um in der alten Heimat in Aachen, Köln und Euskirchen die Freunde aus der Studentenzeit sowie die Familie zu treffen und an der Hochzeit der Tochter unserer Freunde teilzunehmen.
Und wenn wir schon beim Thema Hochzeit sind:

So vergingen ein schöner Sommer und Herbst recht schnell, und das Jahresende rückte näher. Bereits im Februar hatten Christoph und seine Maria José uns eingeladen zu ihrer Hochzeit in Oaxaca/Mexiko am 29. Dezember. So hatten wir, die das Verreisen fast schon verlernt haben, seitdem zu tun mit all den Gedanken an die mit Abstand weiteste Reise, die wir je unternommen haben. Wie ein großer Schatten lag darüber die oben schon erwähnte Frage, ob wir es wagen könnten, den Vater in dieser Zeit allein zu lassen. Mehrere Male verschlechterte sich sein Zustand im Laufe des Sommers und des Herbstes, was unseren Konflikt nur noch verstärkte, aber glücklicherweise verbesserte es sich dann auch wieder, und schließlich klappte es dann doch!

Es waren gut 120 Gäste aus allen Himmelsrichtungen gekommen, um die beiden bei ihrem Jawort zu begleiten.

Wir erlebten mit dieser wunderschönen Hochzeitsfeier in einem beeindruckenden Rahmen das absolute Highlight des Jahres 2025. Wir lernten eine herzliche Familie kennen, mit der der Kontakt sicher erhalten bleiben wird, und wir erlebten ein für uns fremdes Land von vielen Seiten, aber auch mit seinen Besonderheiten wie einer erschreckenden Erdbebenwarnung, die dann doch ohne Folgen blieb. Nicht, dass wir sagen könnten, in dieser kurzen Zeit das Land wirklich kennengelernt zu haben, aber die Stadt Oaxaca und die Küste, an der wir noch ein paar Tage verbrachten, waren eine Reise wert. Die Temperatur-Kontraste seit unserer Rückkehr, von gut 30° am Strand von Huatulco bis -8° gerade hier in Stuttgart, machen uns noch zu schaffen, aber das Erlebnis wird bleiben.

Nun kehren auch Christoph und Maria zurück in ihr geliebtes Wien, und dort werden wir sie sicher auch in diesem Jahr wieder sehen. Die beiden haben an einem so schönen, fernen Ort vor so vielen Menschen, welche ihnen etwas bedeuten, sich gegenseitig versprochen, gemeinsam weiter durch das Leben zu gehen. Das war ein sehr bewegender Moment, auf den sie lange hin gearbeitet haben, und nun wünschen wir ihnen, dass es ihnen meistens leicht fällt und immer gelingt, dieses Versprechen umzusetzen und dabei die Freude zu behalten.

Und auch euch allen möchten wir etwas von dieser Freude für das schon angefangene neue Jahr mitgeben. Möge es trotz der vielen verstörenden Nachrichten aus der Welt ein fröhliches und friedliches Jahr werden! Das wünschen euch

Dominique und Josef aus Stuttgart

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