Liebe Freunde!
Seitdem ich euch die Jahresbriefe schreibe, war die Lage bei uns zum Jahreswechsel noch nie so dramatisch, und der Ausblick auf 2022 fällt schwer, denn es stehen Veränderungen an, die sich lange abzeichneten, aber die jetzt definitiv werden. Ich spreche hier vor allem von Dominiques Eltern in Strasbourg. Die letzten vier Jahre waren ja immer schon von der Sorge gezeichnet, wie lange das gut etablierte System der häuslichen Pflege für beide noch halten würde. Und trotz mancher Zwischenfälle und obwohl immer wieder auch Dominique großen organisatorischen Einsatz leisten musste, ging es immer wieder gut, und wir konnten einigermaßen auch für uns Zeit einplanen.

Noch im April feierten wir frohgemut den hundertsten Geburtstag ihres Vaters, natürlich unter Pandemiebedingungen, immer nur einzeln mit den Pflegenden und den befreundeten Nachbarn. Doch kurz vor Weihnachten stürzte der Vater und kam ins Krankenhaus. Zwar geht es ihm relativ gut, aber die Prognosen, dass er wieder autonom wird laufen und leben können, sind sehr schlecht, und gleichzeitig verschlimmerte sich auch der Zustand der Mutter, so dass keine Alternative mehr dazu besteht, die beiden in spezielle Einrichtungen zu geben. Das ist insgesamt nicht so einfach, für beide Unterbringung zu finden! Dazu kommt die ganze Corona-Situation, und dann beginnt ja für Dominique wieder die Schule, die in diesem Schuljahr mit vielen besonderen Anforderungen zusätzlich für Stress sorgt. Es wird also ein herausforderndes Jahr vor allem für sie.

Seit 35 Jahren war es, bedingt durch die Situation in Strasbourg, für Dominique und mich das erste Sylvester und Neujahr, das wir nicht zusammen verbracht haben, und auch das stimmt uns beide traurig, zumal Christoph schon vor Weihnachten angereist war und bis zum 2. Januar geblieben ist. Mutter und Sohn haben leider nicht viel Zeit zusammen verbracht.

Immerhin können wir rückblickend sagen, dass wir das Alpha und Delta-Jahr alle gut überstanden haben, einzig Christoph hatte sich im Sommer den Virus eingefangen, kam aber frisch geimpft mit leichten Symptomen und Quarantäne davon. Nun also Omikron, mal sehen, was uns da blüht.

Das andere einschneidende Ereignis des Jahres 2021 war, dass Andrina und ich unsere Schule an die Fokus-Zentrale in München verkauft haben und somit nur noch angestellte Geschäftsführer, aber keine Inhaber mehr sind. In der Arbeitsbelastung habe ich das noch nicht gespürt, eher im Gegenteil, denn natürlich mussten auch wir durch Corona heftig Federn lassen, und mal wieder sind grundlegende Veränderungen notwendig, um die Firma langfristig zu sichern. Diese Entscheidungen werden jetzt andere treffen, mag es gut oder schlecht sein. Aber ich bleibe noch bei den Menschen, mit denen ich jahrelang wunderbar zusammengearbeitet habe, die mir sehr nahe stehen und für die es auch in der Zukunft einen Arbeitsplatz geben soll, der Freude und Chancen bietet.

Mein persönliches Ziel für das kommende Jahr ist es dennoch, mehr Sachen für mich selbst zu machen und vielleicht für die verbleibenden aktiven Jahre andere Perspektiven zu gewinnen. Schaun wir mal, was da überhaupt geht in diesen Zeiten.

Klar, dass auch in diesem Corona-Jahr die Reise- und Urlaubstätigkeit nicht so intensiv war, und daher gibt es auch nicht so viele Urlaubsfotos zu zeigen.

Wien war natürlich angesagt, zweimal haben wir es geschafft, im August und im November, nachdem noch unsere Mai-Pläne im Lockdown untergegangen waren. Außerdem zwei Wochenenden im Schwarzwald, und ansonsten weiterhin Erkundung und Genießen der auch so wunderschönen Umgebung.

Natürlich gibt es auch von Christoph Berichtenswertes, zumindest wie bisher immer Schönes, ja Hervorragendes.

Er schloss sein Masterstudium an der Wien University ab, und da er ja immer auch recht fix ist mit dem nächsten Schritt, gab es im Sommer einen fließenden Übergang ins Berufsleben als Trainee bei der Wien Energie, wo er nun ab Januar die dritte und letzte Station des Ausbildungsprogramms durchlaufen wird.

Die Aussichten, beim Unternehmen und damit in Wien auch weiter zu bleiben, sind zweifellos recht gut – ebenso wie mögliche Alternativen. Aber auch das werden wir Mitte des Jahres sehen.

Und damit auch außerhalb der Arbeit das Leben „challenging“ bleibt, wurde aus seinem Aquarium-Hobby neuerdings ein Korallenbecken. Viel Erfolg auch damit!

Dann ist da noch unser neuer Hausgenosse. Als wir im Dezember des Vorjahres von unserer Nelly traurig Abschied nehmen mussten, hatten wir uns eigentlich vorgenommen, mal zu sehen, wie wir ohne Haustier zurecht kommen.

Na ja, lange hat es nicht gedauert, und wir waren wieder auf der Suche. Kein Wunder, in der vereinsamenden und deprimierenden Zeit des Winter-Lockdowns! Anscheinend waren wir aber nicht die einzigen. Schließlich mussten wir bis Donaueschingen gehen, um Anfang März dort im Tierheim unsere Leonie zu holen.

Wir fanden sehr schnell zueinander, und inzwischen fühlt sich die junge Dame bei uns sehr wohl, beschäftigt uns mit ihrem dauernden Appetit und tröstet uns mit ihrer Munterkeit und Anhänglichkeit. Zum Glück gibt es Nachbarn und Freunde, die sich gerne um sie kümmern, wenn wir unterwegs sind!

Liebe Freunde, ihr habt vielleicht bemerkt, dass viele Abschnitte hier mit „mal sehen…“ ausklingen. Am Ende von 2019 hatten wir noch ahnungslos gesagt „Gott sei Dank, das Jahr ist vorbei“ – und dann kam 2020 und wurde schlimmer, und gerade so ging es in 2021 auch weiter. Und trotzdem wagen wir es am Ende dieses Berichts, euch den Blick zu wünschen auf die schönen Seiten, die man oft nicht wahrnimmt, weil man von Sorgen und akutem Stress eingenommen ist. Es geht immer irgendwie weiter, und es ist nie ganz schlecht.

In diesem Sinne: Alles Gute, Gesundheit und Freude in 2022!

Dominique und Josef aus Stuttgart und Christoph aus Wien

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